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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2005 Mittelstand: Kein Aufschwung in Sicht

Mittelstand: Kein Aufschwung in Sicht

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand: Kein Aufschwung in Sicht

Neuss, 07.04.2005

Die Angaben der 4.000 von Creditreform im Frühjahr 2005 befragten mittelständischen Unternehmen zur aktuellen und künftigen konjunkturellen und finanziellen Situation haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingetrübt. Nur noch 22,0 Prozent (Vorjahr: 22,8 Prozent) der befragten Unternehmen vergeben die Noten sehr gut und gut, werden sie nach einer Einschätzung ihrer aktuellen Geschäftslage gefragt. Jeder fünfte Betrieb (20,2 Prozent) urteilt dagegen mit mangelhaft und ungenügend – ein Zuwachs von 4,1 Prozentpunkten im Jahresverlauf.

Parallel zur Einschätzung der Geschäftslage hat sich auch die Umsatzentwicklung negativ verändert: Nur noch 14,9 Prozent der Unternehmen können von Umsatzsteigerungen berichten – im Vorjahr waren es noch 17,3 Prozent. 45,9 Prozent (Vorjahr: 39,7 Prozent) müssen Umsatzeinbußen hinnehmen. Eingebrochen ist insbesondere die Umsatzentwicklung im Bau: Nur noch 4,7 Prozent der Befragten spricht von Umsatzsteigerungen (Vorjahr: 8,4 Prozent), und 68,3 Prozent müssen sinkende Umsätze verkraften (Frühjahr: 2004: 52,1 Prozent).
Bei 5,2 Millionen Arbeitslosen in Deutschland vermag auch der Mittelstand keine positiven Signale zu senden: Nur gut jeder zehnte Betrieb (11,7 Prozent) konnte im vergangenen halben Jahr seinen Personalbestand aufstocken, im Frühjahr 2004 waren es noch 14,4 Prozent. Dagegen mussten sich 28,7 Prozent von Mitarbeitern trennen (Vorjahr: 28,4 Prozent).

Keine Trendwende erwartet

Auch ihre zukünftige Lage schätzen die Befragten schlechter ein als noch vor einem Jahr. 21,0 Prozent der Betriebe hoffen auf steigende Umsätze (Vorjahr: 24,4 Prozent), aber 27,6 Prozent rechnen mit sinkenden Umsätzen – 2,6 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2004. Nur das verarbeitende Gewerbe widersetzt sich dem allgemeinen Trend: Hier nahm die Zahl der Betriebe, die mit steigenden Umsätzen rechnen, im Jahresverlauf um 1,2 Prozentpunkte auf 24,7 Prozent zu und die Zahl der Betriebe mit sinkenden Erwartungen um 5,5 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent ab.

Die Zahl der Betriebe, die im nächsten halben Jahr Personalaufstockungen planen, ist ebenfalls rückläufig: Nur noch jeder zehnte Betrieb (10,9 Prozent; Frühjahr 2004: 12,7 Prozent) will seinen Personalbestand vergrößern. Mehr als jedes fünfte Unternehmen (21,9 Prozent; Vorjahr: 18,1 Prozent) plant dagegen, sich von Mitarbeitern zu trennen.

Investitionsbereitschaft trotzt dem Abwärtstrend

Im Gegensatz zu den sonstigen Angaben zum weiteren konjunkturellen Gang stieg die Investitionsbereitschaft im Mittelstand an: 40,0 Prozent der befragten Unternehmen planen Investitionen, im Frühjahr 2004 waren es noch 37,2 Prozent. Allerdings werden die Investitionen mehrheitlich (62,4 Prozent) zum Ersatz alter Maschinen und Anlagen aufgewendet, die konjunkturstützenden Erweiterungsinvestitionen verzeichnen dagegen einen Rückgang um 2,4 Prozentpunkte auf 45,8 Prozent investitionswillige Betriebe.

Düstere Ertragsaussichten

Im Bereich Finanzierung sind die Angaben der Unternehmen dagegen wieder von Zurückhaltung geprägt: Nur noch 8,8 Prozent der Unternehmen berichten von gestiegenen Erträgen – im Jahr zuvor waren es noch 13,1 Prozent. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe (54,1 Prozent) gibt hingegen an, Ertragseinbußen ausgesetzt gewesen zu sein; im Frühjahr 2004 waren es noch 49,7 Prozent. Dramatisch ist die Ertragslage im Baugewerbe: Nur noch 1,4 Prozent der Unternehmen konnten ihre Gewinne steigern (Vorjahr: 6,0 Prozent), 71,8 Prozent (Vorjahr: 59,2 Prozent) mussten sinkende Erträge verkraften. Die Ertragsaussichten gestalten sich positiver als die Beurteilungen zur aktuellen Ertragslage, dennoch verschlechterte sich auch hier der Saldo aus steigenden und sinkenden Ertragserwartungen. 16,7 Prozent der KMU hoffen auf steigende Erträge, im Frühjahr 2004 waren es noch 19,6 Prozent; 39,3 Prozent rechnen mit sinkenden Erträgen (Vorjahr: 33,3 Prozent). Der Saldo der Ertragserwartungen rutschte von minus 13,7 Prozent im vergangenen Frühjahr auf aktuell minus 22,6 Prozent.

Beim Eigenkapital gehen die Zahlen auseinander: Mehr Betriebe als noch vor einem Jahr verfügen über ausreichendes Eigenkapital – die Zahl der Unternehmen, die unterkapitalisiert sind, steigt ebenfalls: 22,1 Prozent der befragten Betriebe verfügen über mehr als 30 Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme; im Vorjahr waren es 21,7 Prozent. Weniger als 10 Prozent Eigenkapital haben 37,0 Prozent der Unternehmen 5,6 Prozent mehr als im Frühjahr 2004. Die Branche mit den meisten Firmen mit geringem Eigenkapital ist das Gastgewerbe – 54,5 Prozent der Unternehmen verfügen über noch nicht einmal 10 Prozent haftendes Eigenkapital.

Zahlungsverhalten ohne Bewegung

62,8 Prozent der Kunden der mittelständischen Unternehmen zahlen fristgerecht innerhalb von 30 Tagen ihre Rechnung – im Frühjahr 2004 waren es genauso viele. Auch am unteren Ende der Skala hat sich nichts bewegt: Immer noch lassen sich 3,1 Prozent der Vertragspartner mittelständischer Unternehmen mehr als 90 Tage mit dem Begleichen einer Rechnung Zeit. Unterteilt man das Zahlungsverhalten nach privaten und öffentlichen Auftraggebern, offenbaren sich jedoch sehr wohl unterschiedliche Tendenzen: Während sich das Zahlungsverhalten der privaten Abnehmer verbesserte, zahlt die Öffentliche Hand langsamer als noch vor einem Jahr. 67,6 Prozent der privaten Kunden zahlen pünktlich (Vorjahr: 66,5 Prozent), und nur noch 1,3 Prozent lassen sich mehr als drei Monate Zeit. Im Vorjahr waren es noch 2,0 Prozent. Fristgerecht zahlen 55,7 Prozent der öffentlichen Kunden – also Bund, Länder, Städte und Gemeinden –, 1,6 Prozent weniger als im Frühjahr 2004. Die Zahl der öffentlichen Kunden, die sich mit der Rechnungsbegleichung mehr als drei Monate Zeit lässt, stieg um einen Prozentpunkt auf aktuell 5,9 Prozent. 90 Prozent der befragten Unternehmen hatten im vergangenen halben Jahr Forderungsverluste hinzunehmen, 1,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Hohe Verluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz beklagt mehr als jedes vierte Unternehmen (25,3 Prozent; Vorjahr: 24,5 Prozent). Weniger als 0,1 Prozent Verluste durch Forderungsausfälle haben 22,7 Prozent der Unternehmen, im letzten Frühjahr waren es noch 22,2 Prozent.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland nahm im Laufe des Jahres 2004 nur leicht um 0,3 Prozent zu und liegt bei 39.600 betroffenen Firmen. Die Schäden, die die Insolvenzflut der Volkswirtschaft beibrachte, beliefen sich auf 39,4 Mrd. Euro; 1,1 Mrd. Euro weniger als 2003. 605.000 Arbeitnehmer waren von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Für 2005 rechnet die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung mit etwa 38.000 bis 40.000 Unternehmensinsolvenzen.

Mittelstand im Preiskrieg

Eine besondere Rolle für den Mittelstand spielt die Preissituation. Mehr als die Hälfte (51,8 Prozent) der befragten Unternehmer gibt an, sich momentan in einem „Preiskrieg“ zu befinden, der durch ein ständiges gegenseitiges Unterbieten der Anbieter gekennzeichnet ist. Nur ein Viertel (25,1 Prozent) kann seine kalkulierten Preise am Markt durchsetzen und sich erlauben, lediglich kleinere Rabatte zu gewähren. 19,1 Prozent sind gezwungen, Rabatte in größerem Umfang zu geben und lediglich 1,8 Prozent der Befragten können regelmäßige Preiserhöhungen durchsetzen.

Nach der Strategie ihrer Preisbildung gefragt geben 29,0 Prozent der KMU an, ihre Kosten zu kalkulieren und die Preise dann auf dieser Basis je nach Marktlage zu berechnen. 23,1 Prozent gleichen den Wettbewerbspreis und die Zahlungsbereitschaft der Kunden mit ihren Kosten ab. 21,2 Prozent orientieren sich hauptsächlich am Wettbewerb und immerhin 19,2 Prozent kalkulieren ihre Kosten und schlagen eine feste Spanne auf. Nur 4,5 Prozent der Befragten ermitteln die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden. Bei den Instrumenten der aktiven Preispolitik erfreut sich die Preisdifferenzierung größter Beliebtheit: Bei 49,0 Prozent der befragten Unternehmen erhalten verschiedene Kundengruppen unterschiedliche Preise. Nur 13,0 Prozent geben Rabatte, wenn hohe Mengen abgenommen werden und nur 4,5 Prozent geben Rabatte, wenn Kunden zu bestimmten Zeiten – etwa Jahres- oder Tageszeiten – kaufen.

Zu den Grafiken und der vollständigen Analyse

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